Dieter Reichstein feiert seinen 80. Geburtstag als aktives Mitglied

Besondere Freude herrschte vergangenen Monat bei den Delitzscher Tischtennisspielern. Da die Saison für die 1. und 2. Mannschaft mit positivem Ende unter Dach und Fach gebracht wurde, konnte man sich jetzt auf einen Höhepunkt der besonderen Art vorbereiten. Dass ein ehemaliges Mitglied hohe Jubiläen erreicht, ist schon vorgekommen. Dass aber ein achtzig Jahre altes Mitglied nach wie vor den Schläger schwingt, ist dann doch etwas Besonderes. Dieter Reichstein ist immer noch regelmäßig mit Erfolg für die 3. Mannschaft des ESV Delitzsch im Punktspieleinsatz. So stehen in der vergangenen Saison 11:4 Siege in der höchsten Spielklasse des Kreises zu Buche. Und nicht selten sind seine Gegner dabei ein halbes Jahrhundert jünger als er. Und natürlich kommt es bei 65 Jahren Tischtennis-Erfahrung hin und wieder vor, dass er auch den Bezirksligamannschaften hilft, wenn Not am Mann ist. So war er erst beim vorletzten Punktspiel der Ersten in Markkleeberg im Einsatz und erkämpfte ein Remis.

 

Im Kreise seiner Sportfreunde, die allen Altersklasse angehören, feierte der Jubilar, wie immer sehr bescheiden, seinen Geburtstag. Die hatten sich darauf vorbereitet und einige Überraschungen organisiert. Der Vize-Vorsitzede des ESV Delitzsch, Wolfgang Dressler, kam und gratulierte im Namen des gesamten Vorstandes. Von den Mannschaftskameraden, allen voran Abteilungsleiter Maik Henze und Mannschaftsleiter Gisbert Klug, gab es einen Präsentkorb, unter anderem mit Eintrittskarten für das nächste Heimspiel von RB Leipzig und einen Pokal zur Erinnerung an diesen Tag. Des Weiteren ernannten ihn seine Mitstreiter zum Ehrenspielführer und hatten eigens dafür ein Trikot entworfen. Natürlich wird bei solchen Gelgenheiten gern in Erinnerungen geschwelgt, Dieter hatte Fragen von alten und jungen Sportfreunden zu beantworten, wovon hier einige aufgeführt werden.

 

Wie und wann bist du zum Tischtennis gekommen?

 

Dieter: 1952, damals war ich 15 Jahre alt, bin ich das erste Mal beim Training gewesen. Der Verein hieß noch MAS Delitzsch. Ich hatte dort mal zugeschaut und Spaß daran gefunden, sieben Jahre nach dem Krieg waren die Freizeitangebote für Jugendliche noch sehr eingeschränkt.

 

Auf welche Erfolge kannst du zurückblicken?

 

Dieter: Zuerst spielte ich in der Jugendmannschaft, dann ging es aber schnell zu den Erwachsenen. 1955, da hieß der Verein schon TSG Traktorr Delitzsch, holten wir den Bezirksmeistertitel. In den siebziger Jahren gelang uns als Eisenbahner dann der erneute Sieg im Bezirk, was zu dieser Zeit verbunden war mit dem Aufstieg in die DDR-Liga. das war die zweithöchste Spielklasse und sicherlich meine beste Zeit. Als Eisenbahner holten wir auch eine interne Betriebsmeisterschaft des Landes und durften in diesem Zuge sogar internationale Vergleiche spielen. 1993 schaffte ich als Bezirksmeister mit dem ESV erneut den Aufstieg. Diesmal in die Landesliag Sachsen, da war ich mit 56 Jahren der Routinier der Mannschaft.

 

Kannst du dich noch an die ersten Mannschaftskameraden erinnern?

 

Dieter: Ja, 1955 spielten ich zum Beispiel mit Paul Caspar, Gerhard Schöne, Horst Mann, Dieter Friedrich, Manfred Krempler und Rudolf Chybych zusammen. In den Siebzigern stand ich dann unter anderem mit Herbert Eichler und Gerold Naumann am Tisch.

 

Hast du auch Einzelerfolge errrungen?

 

Dieter: Da war ich weniger ambitioniert, aber jetzt vor kurzem bin ich bei den Senioren-Bezirksmeisterschaften mal Zweiter geworden.

 

Hast du in all deinen Jahren mal andere Beläge auf deinen TT-Schläger ausprobiert?

 

Dieter: (lacht) Meine ersten Schläge habe ich damals mit Holzbrettchen gemacht. Dann bekam ich von Paul Caspar einen gebrauchten Schläger. Vile Auswahl gab es auch in den Jahren danach nicht, meist waren die Noppen noch außen. Selten gab es die glatten Beläge, wie zum Beispiel bei den Schlägern aus Asien, die es nur manchmal zu kaufen gab. Wer keine Beziehungen hatte, musste bis zur Wende warten, um verschiedenes auszuprobieren. Ich bin dann aber bei den glatten Beläge geblieben und bin auch heute noch damit zufrieden.

 

Was hat sich in all den Jahren beim Tischtennissport verändert?

 

Dieter: In jüngerer Zeit sind ja die Bälle größer, die Sätze kürzer und das Schlägermaterial unüberschaubar geworden. In meiner Anfangszeit waren Turnhallen noch Mangelware, gespielt wurde in Sälen von Gaststätten, im Winter wurden Holzöfen angeschmissen. Die Beleuchtung wurde erst für die Spiele aufgehängt, die Tischtennisplatte wurde auf Böcke gelegt und die Schuhe und Böden waren noch sehr rutschig. Aber gekämpft wurde damals wie heute um jeden Punkt.

 

Was für Ziele hast du noch?

 

Dieter: Ich freue mich über jedes weitere Jahr, in dem ich mein Team unterstützen kann. Und beim alljährlichen Vereins-Weihnachtsturnier will ich die jüngeren Spieler, also alle, immer mal wieder ärgern (schmunzelt).